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Datensparsam online einkaufen: Welche Daten braucht ein Shop wirklich?

Drei Wochen vor Black Friday lohnt es sich, einen ruhigen Moment innezuhalten — nicht wegen der Angebote, sondern wegen einer Frage, die an der Online-Kasse fast immer auftaucht:

«Muss ich wirklich ein Konto anlegen, nur um einmal etwas zu bestellen?»

Die kurze Antwort: meistens nicht.

Und es lohnt sich, das zu wissen — denn je weniger Daten Sie einem Shop geben, desto weniger kann verloren gehen, wenn dieser Shop einmal Pech hat.


Die eine Grundhaltung: so viel wie nötig, so wenig wie möglich

Für eine Bestellung braucht ein Online-Shop erstaunlich wenig von Ihnen:

  • Wohin soll geliefert werden? (Lieferadresse)
  • Wie bezahlen Sie? (Zahlungsangaben)
  • Wie erreichen wir Sie, wenn etwas mit der Lieferung nicht stimmt? (E-Mail-Adresse)

Das war es. Name, Lieferadresse, eine Kontaktmöglichkeit und Zahlungsangaben — das ist der Kern. Alles andere ist in sehr vielen Fällen freiwillig.

Dieser Grundsatz hat sogar einen offiziellen Namen: Das revidierte Schweizer Datenschutzgesetz (revDSG, in Kraft seit 1. September 2023) verankert die Datenminimierung als zentrales Prinzip — Organisationen sollen nur so viele Personendaten bearbeiten, wie für den jeweiligen Zweck wirklich nötig sind. Als allgemeiner Hinweis, nicht als Rechtsberatung: Der Grundsatz gilt für Shops genauso wie für Sie als Kundin oder Kunde.


Gast statt Konto — der datensparsamste Weg

An der Online-Kasse sieht man oft eine grosse Schaltfläche «Jetzt Konto erstellen» und, kleiner und weniger auffällig, irgendwo darunter: «Als Gast bestellen». Viele Leute übersehen den Gast-Link — oder glauben, ohne Konto funktioniere die Bestellung gar nicht.

Das stimmt in aller Regel nicht.

Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) betrachtet es als problematisch, einen Bestellvorgang zwingend an ein Kundenkonto zu koppeln — Kunden sollen frei entscheiden können, ob sie ein Konto eröffnen. Und die Stiftung für Konsumentenschutz empfiehlt ausdrücklich, sich auf die wirklich nötigen Angaben zu beschränken.

Für einmalige Käufe oder seltene Bestellungen ist die Gastbestellung deshalb die datensparsamste Wahl: weniger Daten gespeichert, kein weiteres Konto mit Passwort, und nichts, was nach dem Kauf noch irgendwo rumliegt.

Praktischer Hinweis: Wenn der Gast-Link schwer zu finden ist, schauen Sie nach Formulierungen wie «Ohne Konto bestellen», «Als Gast fortfahren» oder einem kleinen Textlink unterhalb des grossen «Registrieren»-Buttons.


Pflichtfelder und freiwillige Felder — das Stern-Prinzip

In den meisten Online-Shops zeigt ein kleines Sternchen (*) an, welche Felder Pflicht sind und welche Sie leer lassen dürfen.

Typischerweise Pflicht: Name, Lieferadresse, E-Mail-Adresse und Zahlungsangaben.

Häufig freiwillig: Telefonnummer, Geburtsdatum, Anrede, «Wie haben Sie uns gefunden?».

Das ist nicht in jedem Shop gleich — manchmal braucht ein Lieferdienst die Telefonnummer für die Zustellung. Aber als Faustregel gilt: Wenn kein Sternchen dabeisteht, können Sie das Feld in der Regel leer lassen und schauen, ob die Bestellung trotzdem durchgeht. Meistens ja.


Die stillen Häkchen — bewusst anschauen

Viele Shops setzen im Checkout-Formular Häkchen vor, die beim flüchtigen Lesen leicht übersehen werden:

  • «Ich möchte den Newsletter erhalten»
  • «Ich stimme der Nutzung meiner Daten für personalisierte Angebote zu»
  • «Ich bin mit der Weitergabe meiner Daten an Partner einverstanden»

Diese Häkchen kosten nichts — ausser Ihrer Daten und möglicherweise Ihrer Ruhe. Es lohnt sich, kurz zu prüfen, ob etwas vorangekreuzt ist, was Sie nicht wollen, und es wegzuklicken. Das schadet der Bestellung nicht.


Wenn schon Konto, dann mit eigenem Passwort

Es gibt durchaus gute Gründe für ein Kundenkonto: Bestellhistorie, schnellere Folgebestellungen, einfachere Retouren. Wer regelmässig bei einem Shop kauft, hat legitime Gründe, ein Konto zu haben.

Dann gilt aber eine wichtige Regel: Für jeden Shop ein eigenes, starkes Passwort.

Warum das so wichtig ist: Online-Shops können gehackt werden. Bei einem Datenleck können Namen, E-Mail-Adressen und teils auch Passwort-Daten abfliessen. Wer bei vielen Shops dasselbe Passwort nutzt, riskiert, dass mit einem einzigen Leck gleich mehrere Konten gefährdet werden — nicht nur beim betroffenen Shop.

Unterschiedliche Passwörter pro Dienst begrenzen den möglichen Schaden deutlich. Ein Passwortmanager hilft, den Überblick zu behalten (zu diesem Thema hatten wir bereits einen Beitrag in KW 30).

Wo sinnvoll, kann auch die Zwei-Faktor-Authentifizierung zusätzliche Sicherheit bieten (Thema von KW 39).

Und noch etwas: Alte, ungenutzte Shop-Konten ab und zu aufräumen — also Konto löschen, wenn man dort sowieso nicht mehr bestellt. Weniger Konten, weniger Angriffsfläche. Die meisten Shops bieten dafür eine Funktion in den Kontoeinstellungen an; alternativ können Sie schriftlich die Löschung Ihrer Daten verlangen.


Bonus- und Kundenkarten kurz hinterfragen

Rabatt- und Bonusprogramme — zum Beispiel Cumulus oder ähnliche Treueprogramme — sind manchmal praktisch. Aber sie haben einen Preis: Ihre Einkaufsdaten.

Beim Einlösen oder Anmelden teilen Sie in der Regel mit, was Sie wann wo gekauft haben. Das ist eine bewusste Entscheidung wert: Ist der Vorteil (Rabatt, Prämien, Vergünstigungen) die Datenmenge wert, die ich dafür hergebe?

Kein Urteil — das ist eine persönliche Abwägung. Aber eine bewusste Abwägung ist besser als ein automatisches «Ja» an jeder Kasse.


Zwei verbreitete Irrtümer

«Ich muss ein Konto anlegen, um zu bestellen.»
Meistens nicht. Bei den meisten grossen und vielen kleineren Shops gibt es eine Gastbestellungs-Option. Sie ist manchmal weniger auffällig platziert — aber sie ist da.

«Ein paar Daten mehr schaden doch nicht.»
Doch — in dem Sinne, dass sie die Datenspur vergrössern und die potenzielle Angriffsfläche erhöhen. Daten, die ein Shop nicht hat, können auch nicht verloren gehen. Das ist keine Panikmache, sondern eine einfache Logik.


Lokaler Hinweis

Unsicher, wie man als Gast bestellt? Oder möchten Sie gemeinsam ein sicheres Passwort für einen Shop einrichten, alte Konten aufräumen oder einfach verstehen, welche Felder im Checkout wirklich Pflicht sind?

Wir helfen Ihnen dabei — ruhig und ohne Fachchinesisch, vor Ort in Spiez, Thun und Umgebung oder per Fernsupport.

Einfach melden: per E-Mail, Telefon oder über unsere Website.

EIL-Support — lokale IT-Hilfe für Private, Selbständige und kleine Betriebe im Raum Spiez, Thun und Berner Oberland.

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